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Betriebssysteme Geschichte
Erste Betriebssysteme (bis 1980)
Die ersten Rechner besaßen keine Betriebssysteme. Dies lag
einerseits an deren Bauweise (mechanische Rechenmaschinen wie Abacus,
Rechenschieber usw.) oder an ihrem stark eingeschränkten Einsatzgebiet
(Mark I, ENIAC, Colossus). Mit der Erfindung und dem Einsatz des Transistors
(1947) und der Erfindung der Mikroprogrammierung 1955 durch Maurice
Wilkes wurden in der Folge nicht mehr Einzelmaschinen, sondern ganze
Modellreihen eingesetzt. Jeder Hersteller lieferte zu dieser Zeit
sogar für verschiedene Modellreihen seiner Produkte verschiedene
Betriebssysteme, so dass Programme nur auf einer bestimmten Modellreihe
liefen und weder zwischen verschiedenen Computer noch über verschiedene
Generationen portierbar waren. Mit der Einführung der Modellreihe
System/360 von IBM führte IBM 1964 das Betriebssystem OS/360
ein. Es war das erste Betriebssystem, das modellreihen-übergreifend
eingesetzt wurde. Ab 1963 wurde Multics in Zusammenarbeit von MIT,
General Electric und den Bell Labs von AT&T entwickelt, das jedoch
erst ab 1969 bis 2000 im Einsatz war. Multics wurde in PL/I programmiert.
Inspiriert von den Arbeiten an Multics startete eine Gruppe um Ken
Thompson und Dennis Ritchie an den Bell Laboratories von AT&T
1969 mit der Entwicklung von Unix. Unix wurde in den Jahren 19721974
bis auf wenige Teile in der höheren Programmiersprache C mit
dem Ziel der Portabilität neu implementiert. Zu dieser Zeit war
auch das Betriebssystem CP/M weit verbreitet.
Der C64, ein Heimcomputer der 1980er Jahre
In den 1980er Jahren wurden Heimcomputer populär. Diese konnten
neben nützlichen Aufgaben auch Spiele ausführen. Die Hardware
bestand aus einem 8-Bit-Prozessor mit bis zu 64KB RAM, einer Tastatur
und einem Monitor- bzw. HF-Ausgang. Einer der populärsten dieser
Computer war der Commodore C64 mit dem Mikroprozessor 6510 (einer
Variante des 6502). Dieser Computer hatte ein 8KB-ROM-BIOS, das die
Geräte Bildschirm, Tastatur, serielle IEC-Schnittstelle für
Diskettenlaufwerke bzw. Drucker, Kassetteninterface initialisierte
und über ein Kanalkonzept teilweise abstrahierte. Über ein
8KB-ROM-BASIC, das auf die Funktionen des BIOS aufsetzte, konnte das
System bedient und programmiert werden. Das Betriebssystem dieses
Computers kann auf der Ebene des BASIC-Interpreters als gute Hardwareabstraktion
angesehen werden. Natürlich sind weder Kernel, Speicher- oder
sonstiger Hardwareschutz vorhanden. Viele Programme, vor allem auch
Spiele, setzten sich über das BIOS hinweg und griffen direkt
auf entsprechende Hardware zu.
Die grafische Benutzeroberfläche (GUI) von Apple
Dominik Hagen, ein ehemaliger Mitarbeiter von Xerox, motivierte Steve
Jobs, das Xerox Palo Alto Research Center (PARC) zu besuchen. Dort
wurde Jobs vor allem der Prototyp eines Smalltalk-Entwicklungssystems
gezeigt (Xerox entwickelte mit ALTO (1973) und Star (1981) erste Rechner
mit grafischer Benutzeroberfläche). Apple bot Xerox an, die Technologie
zu kaufen; da PARC aber vor allem ein Forschungszentrum war, bestand
kein Interesse an Verkauf und Vermarktung. Nachdem Steve Jobs Xerox
Aktienanteile von Apple anbot, wurde ihm erlaubt, einigen Apple-Entwicklern
die Xerox-Demos zu zeigen. Danach war den Apple-Entwicklern auf jeden
Fall klar, dass der grafischen Benutzeroberfläche die Zukunft
gehörte, und Apple begann, eine eigene GUI zu entwickeln.
Viele Merkmale und Prinzipien jeder modernen grafischen Benutzeroberfläche
für Computer, wie wir sie heute kennen, sind originale Apple-Entwicklungen
(Pull-Down-Menüs, die Schreibtischmetapher, Drag&Drop, Doppelklicken).
Die Behauptung, Apple habe seine GUI von Xerox abgekupfert
ist ein ständiger Streitpunkt; es existieren jedoch gravierende
Unterschiede zwischen einem Alto von Xerox und der Lisa/dem Macintosh).
Der Mac-OS-Nachfolger
Mitte der 1990er Jahre steckte Apple in einer tiefen Krise; die Firma
schien kurz vor dem Ruin. Ein dringliches Problem war dabei, dass
Apples Betriebssystem als veraltet betrachtet wurde und Apple sich
nach Alternativen umzusehen begann. Nach dem Scheitern des wichtigsten
Projektes für ein modernes Betriebssystem mit dem Codenamen Copland
sah sich Apple gezwungen, Ausschau nach einem für die eigenen
Zwecke verwendungsfähigen Nachfolger für das eigene Betriebssystem
zu halten. Zuerst wurde vermutet, dass Apple die Firma Be Incorporated,
mit ihrem auch auf Macs lauffähigen Betriebssystem BeOS, übernehmen
würde. Die Übernahmeverhandlungen scheiterten jedoch im
November 1996, da der frühere Apple-Manager und Chef von Be Jean-Louis
Gassée im Falle einer Übernahme 300 Millionen US-Dollar
und einen Sitz im Vorstand verlangte. Da Amelio versprochen hatte,
bis zur Macworld Expo im Januar 1997 die zukünftige Strategie
in Bezug auf Mac OS zu verkünden, musste schnell eine Alternative
gefunden werden. Überraschend übernahm Apple dann noch im
Dezember 1996 die Firma NeXT des Apple-Gründers Steve Jobs und
deren Betriebssystem NeXTStep/OPENSTEP für 400 Millionen US-Dollar.
Dieses sollte die Grundlage für die nachfolgende Generation des
Apple-Betriebssystems werden. Das den neuen Erfordernissen angepasste
und optisch aktualisierte NeXTStep wurde dann unter dem Namen Mac
OS X ein großer Erfolg. Mit der Übernahme von NeXT zog
bei Apple auch eine neue Firmenkultur ein. Steve Jobs, in den 1980ern
von der von ihm mitgegründeten Firma vergrault, nun Chief Executive
Officer (CEO) von NeXT, wurde 1997 wieder Firmenchef von Apple. Avie
Tevanian, auch ein NeXT-Mitarbeiter, übernahm die Entwicklungsabteilung.
Jobs beendete die Lizenzierung des Betriebssystems an andere Hersteller
(z. B. Power Computing) und stellte die Produktion des Newton ein.
Disk Operating System (DOS)
Der Ursprung von DOS liegt in CP/M und wurde 1974 von Digital Research
eingesetzt. Die Portierung auf den Motorola 68000, genannt CP/M-68k,
selbst kein großer kommerzieller Erfolg, wurde zur Grundlage
für TOS, das Betriebssystem des Atari ST. MS-DOS Version 1.0
erschien 1981 als Nachbildung von CP/M und wurde für PCs eingesetzt.
Es setzt auf das BIOS auf und stellt Dateisystemoperationen zur Verfügung.
Die ersten IBM-PCs waren ganz ähnlich wie der C64 aufgebaut.
Auch sie verfügten über ein eingebautes BIOS zur Initialisierung
und Abstraktion der Hardware. Sogar ein BASIC-Interpreter war vorhanden.
Im Gegensatz zum BIOS wurde auf BASIC jedoch in den kompatiblen Rechnern
anderer Firmen verzichtet.
Der PC konnte mit seinem Intel-8088-Prozessor (16-Bit-Register) bis
zu 1 MB Speicher adressieren, die ersten Modelle waren jedoch nur
mit 64KB ausgestattet. Diskettenlaufwerke lösten die alten Kassettenrekorder
als Speichermedium ab. Sie erlauben vielfaches Schreiben und Lesen
einzeln adressierbarer 512-Byte-Blöcke. Die Benutzung wird durch
ein Disk Operating System (DOS) vereinfacht, das ein abstraktes Dateikonzept
bereitstellt. Blöcke können zu beliebig großen Clustern
(Zuordnungseinheit, kleinste für das Betriebssystem ansprechbare
Einheit) zusammengefasst werden. Dateien (logische Informationseinheiten)
belegen einen oder mehrere (verkettete) dieser Cluster. Eine Diskette
kann viele Dateien enthalten, die über Namen erreichbar sind.
Auf den ersten PCs war kein Speicherschutz realisiert, die Programme
konnten daher an DOS vorbei direkt auf BIOS und sogar auf die Hardware
zugreifen. Erst spätere PCs wurden mit dem Intel-80286-Prozessor
ausgestattet, der Speicherschutz ermöglichte. MS-DOS stellte
auch keinen für alle Zwecke ausreichenden Abstraktionsgrad zur
Verfügung. Es ließ sich nur ein Programm gleichzeitig starten,
die Speicherverwaltung war eher rudimentär. Ein Teil der Hardware
wurde nicht unterstützt und musste von Programmen direkt angesprochen
werden, was dazu führte, dass beispielsweise für jedes Spiel
die Soundkarte neu konfiguriert werden musste. Die Performance einiger
Routinen, speziell zur Textausgabe, war verbesserungswürdig.
Viele Programme setzten sich daher zwangsläufig über das
Betriebssystem hinweg und schrieben z. B. direkt in den Bildschirmspeicher.
MS-DOS wurde mit einem Satz von Programmen (so genannten Werkzeugen)
und einem Kommandointerpreter (COMMAND.COM) ausgeliefert.
Linux (GNU/Linux), ein modernes Mehrprogrammsystem
1991 begann Linus Torvalds in Helsinki/Finnland mit der Entwicklung
von Linux, das er bald danach der Öffentlichkeit zur Verfügung
stellte.
Es läuft als portables Betriebssystem auf verschiedenen Rechnerarchitekturen,
wurde aber zunächst für PCs mit Intel-80386-Prozessor entwickelt.
Das in diesen Rechnern verwendete BIOS dient nur noch zum Initialisieren
der Hardware und zum Starten des Betriebssystemkernels, da die Routinen
des BIOS für Mehrprogrammsysteme wie Linux ungeeignet sind. Dies
kommt zustande, da insbesondere der Prozessor durch Warten belastet
wird anstatt durch eine in der Hardware durchaus vorhandene
geschickte Unterbrechungsverwaltung (interrupt handling) auf
Ereignisse (events) zu reagieren. Linux verwendet daher nach dem Starten
des Systems eigene Gerätetreiber.
Es verteilt die Prozessorzeit auf verschiedene Programme (Prozesse).
Jeder dieser Prozesse erhält einen eigenen, geschützten
Speicherbereich und kann nur über Systemaufrufe auf die Gerätetreiber
und das Betriebssystem zugreifen.
Die Prozesse laufen im Benutzermodus (user mode), während der
Kernel im Kernel-Modus (kernel mode) arbeitet. Die Privilegien im
Benutzermodus sind sehr eingeschränkt. Abstraktion und Speicherschutz
sind nahezu vollkommen, ein direkter Zugriff wird nur sehr selten
und unter genau kontrollierten Bedingungen gestattet. Dies hat den
Vorteil, dass kein Programm z. B. durch einen Fehler das System zum
Absturz bringen kann.
Linux stellt wie sein Vorbild Unix eine vollständige Abstraktion
und Virtualisierung für nahezu alle Betriebsmittel bereit (z.
B. virtueller Speicher, Illusion eines eigenen Prozessors etc.).
Microsoft Windows
1983 begann die Firma Microsoft mit der Entwicklung eines grafikfähigen
Betriebssystemaufsatzes für MS-DOS namens Windows es handelte
sich dabei jedoch nicht um ein Betriebssystem. Das MS-DOS und BIOS-Design
der PCs erlaubten keine Weiterentwicklung in Richtung moderner Serverbetriebssysteme.
Microsoft begann Anfang der 1990er ein solches Betriebssystem zu entwickeln,
das zunächst als Weiterentwicklung von OS/2 geplant war (Microsoft
war zwischen 1987 und 1991 an der Entwicklung beteiligt): Windows
NT 3.1 (Juli 1993). Für den Consumer-Markt brachte Microsoft
am 15. August 1995 Windows 95 heraus, es basiert auf MS-DOS. Dieser
Consumer-Zweig wurde mit der Veröffentlichung von
Windows Millennium (August/September 2000) abgeschlossen.
Aufbau von Windows NT: Über die Hardware wurde eine Abstraktionsschicht,
der Hardware Abstraction Layer (HAL) gelegt, auf den der Kernel aufsetzte.
Verschiedene Gerätetreiber waren als Kernmodule ausgeführt
und liefen wie der Kernel im privilegierten Kernel Mode. Sie stellten
Möglichkeiten der E/A-Verwaltung, Dateisystem, Netzwerk, Sicherheitsmechanismen,
virtuellen Speicher usw. zur Verfügung. Systemdienste (System
Services) ergänzten das Konzept; wie ihre UNIX-Pendants, die
daemons, waren sie in Form von Prozessen im User-Mode ausgeführt.
Über so genannte Personalities wurden dann die Schnittstellen
bestehender Systeme nachgebildet, zunächst für Microsofts
eigenes, neues Win32-System, aber auch für OS/2 (ohne Grafik)
und POSIX.1, also einer Norm, die eigentlich Unix-Systeme vereinheitlichen
sollte. Personalities liefen wie Anwenderprogramme im unprivilegierten
User-Mode. Das DOS-Subsystem war in Form von Prozessen implementiert,
die jeweils einen kompletten PC mit MS-DOS als virtuelle Maschine
darstellten; darauf konnte mit einer besonderen Version von Windows
3.1, dem Windows-on-Windows, auch Win16-Programme ausgeführt
werden. Windows-on-Windows blendete dazu die Fenster der Win16-Programme
in das Win32-Subsystem ein, das die Grafikausgabe verwaltete. Das
System erlaubte daher die Ausführung von Programmen sowohl für
MS-DOS wie für die älteren Windows-Betriebssysteme, allerdings
unter vollkommener Kontrolle des Betriebssystems. Dies galt aber nur
für die Implementierung für Intel-80386-Prozessoren und
deren Nachfolger.
Programme, die direkt auf die Hardware zugreifen, blieben aber außen
vor. Insbesondere viele Spiele konnten daher nicht unter Windows NT
ausgeführt werden, zumindest bis zur Vorstellung von WinG, das
später in DirectX umgetauft wurde. Ohne die Möglichkeit
eines direkten Zugriffs auf die Grafikhardware bzw. -treiber war die
Programmierung von leistungsfähigen Actionspielen zunächst
auf die älteren Windows-Versionen beschränkt.
Windows NT erschien in den Versionen 3.1, 3.5, 3.51 und 4.0. Windows
2000 stellte eine Weiterentwicklung von Windows NT dar. Auch Windows
XP, Windows Server 2003 und Windows Vista bauen auf der Struktur von
Windows NT auf.
Artikel Betriebssystem. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
Bearbeitungsstand: 25. Januar 2007, 20:55 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Betriebssystem&oldid=26921600
(Abgerufen: 3. Februar 2007, 09:12 UTC)
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